Wer kennt es nicht, dieses lustige Lied, das mit Spott nicht geizt. Wir wussten bis heute allerdings nicht, warum es so ist, wie es ist. Jetzt sind wir schlauer, aber dazu später mehr.
Heute waren wir die letzten beim Frühstück. Es war so herrlich, mal richtig auszuschlafen. Weil es im Elbschlösschen Frühstück bis um elf gibt, hatten wir auch keine Eile. Gestern waren wir um halb neun unten und damit zur absoluten Rush hour, was mir persönlich etwas zu viel des Guten war. Eine Stunde später war es heute dann genau richtig. Und das Büffet war auch noch nicht leergefegt, das meiste gab es noch. Eine knappe Stunde später verließen wir satt und zufrieden unseren Tisch. Bei einer letzten Tasse Kaffee hatten wir die Tickets für die Festung Königstein gebucht. Würde es so voll werden wie gestern auf der Bastei?
Die Festung Königstein ist eine der am besten erhaltenen Festungen Europas und wahrscheinlich auch weltweit. Das liegt wohl vor allem daran, dass sie zuletzt im 19. Jahrhundert tatsächlich als
Festung benutzt wurde. Später spielte sie für militärische Zwecke keine Rolle mehr und blieb deshalb von Angriffen verschont, auch in den beiden großen Weltkriegen. Touristisch ist die Bergfeste
perfekt erschlossen. Mit dem Auto rollt man ins eigene Parkhaus, die letzten Meter bis zum Eingang legt man zu Fuß oder wie wir mit dem Festungsexpress zurück. Wem der Aufstieg durch den
Haupteingang zu mühsam ist, der kann dann den Aufzug direkt an der Kasse benutzen. Zum Glück sind wir zumindest beim Verlassen der Burg zu Fuß durchs Haupttor, sonst hätten wir dessen
spektakuläres Inneres mit den langen steilen Rampen und eindrucksvollen Tunneln nicht gesehen.
Das Wetter war wieder perfekt heute und die Oktobersonne gab erneut ihr bestes. Auch wenn die Ausstellungen in den Gebäuden sehr interessant und somit Anlass genug für einen Besuch sind, blieben wir daher zunächst einmal an der frischen Luft. Die ganze Sächsische Schweiz konnten wir auf unserem Rundgang den Wehrgang der Burgmauer entlang überblicken. In jeder Richtung finden sich interessante Blickpunkte: Ob Lilienstein, Pfaffenstein, die Schrammsteine oder großer und kleiner Zschirnstein - bei guter Sicht ist auch der hohe Schneeberg oder der Tanzplan zu sehen. Schon jetzt stellten wir angenehm überrascht fest, dass der befürchtete Besucheransturm offenbar ausblieb. Kein Vergleich zum Gedränge auf der überfüllten Bastei am gestrigen Tag.
Als wir auf der Nordseite dann die Umgebung der Friedrichsburg erkundeten und die Sonne hinter dem Festungswald verschwunden war, wurde allen kalt. Den Rest der Runde legten wir im Schritttempo zurück, um uns bald auf einer sonnenbeschienenen Wiese zwischen Alter Kaserne und Garnisonskirche bei einer sächsischen Kartoffelsuppe aufzuwärmen.
Nun wollten wir noch ein wenig Museumsluft schnuppern. An Auswahl mangelt es hier auch in Corona-Zeiten jedenfalls nicht. Zahlreiche Ausstellungen in verschiedenen Gebäuden der Festung locken Besucher an. Für jeden ist garantiert etwas interessantes dabei. Wir entschieden uns für die Hauptausstellung "Auf dem Stein des Königs - 800 Jahre Leben auf der Festung Königstein". Und wir wurden nicht enttäuscht, denn die Exponate zeigten allerlei interessante Facetten aus allen Epochen der Burggeschichte - spannend multimedial aufbereitet und vieles zum Anfassen und Ausprobieren auch für Kinder. Wäre Corona nicht, hätten sich Madita und Matteo sogar als Burgfräulein und Ritter verkleiden und so durch die Räume wandeln können.
So erfuhren wir von einem einäugigen Burgherren, bedeutenden Fürsten - selbstverständlich sicherte sich auch August der Starke seinen Platz in der Festungsgeschichte, einer preußischen Besatzung und dem Leben und Wirken der Soldaten hier. Eben jene waren in den langen Phasen ohne Belagerungen und Angriffe dazu verdonnert, sich ihren Unterhalt anderweitig zu verdienen. Die Festung war zu diesen Zeiten nicht viel mehr als eine kleine Stadt, die allenfalls verängstigten Adligen aus der nahen Fürstenresidenz Dresden Schutz vor Aufständischen bot.
Genau von diesen Soldaten berichtet ebenjenes einprägsame Lied, das jedes Kind kennen dürfte:
Auf der Festung Königstein...
…muss doch auch ein Bäcker sein, juppheidi, juppheida.
Der Bäcker schlägt die Fliegen tot und macht daraus Rosinenbrot.
…muss doch auch ein Fleischer sein, juppheidi, juppheida.
Der Fleischer ist ein dummer Kerl, er sticht die Schweine mit dem Quirl.
…muss doch auch ein Schneider sein, juppheidi, juppheida.
Hier ein Fleckel, da ein Fleckel wird bald draus ein Kinderjäckel.
…muss doch auch ein Kantor sein, juppheidi, juppheida.
Des Sonntags ist er Organist und in der Woche fährt er Mist.
…muss doch auch ein Schmied wohl sein, juppheidi, juppheida.
Der Schmied der ist ein starker Mann, der Hufeisen zerreißen kann.
…muss doch auch ein Steinmetz sein, juppheidi, juppheida.
Der Steinmetz ist `ne hohle Nuss, ihm fällt der Stein oft auf den Fuß.
…muss doch auch ein Gastwirt sein, juppheidi, juppheida.
Er ist ein kreuzfideles Haus, doch wer nicht zahlt, den schmeißt er raus.
…muss doch auch ein Tischler sein, juppheidi, juppheida.
Hier ein Brettel, da ein Brettel, wird daraus ein Abortdeckel.
…muss doch auch ein Schuster sein, juppheidi, juppheida.
Er isst den Leim mit Hochgenuss, drum leidet er an Darmverschluss.
…muss doch auch ein Doktor sein, juppheidi, juppheida.
Der Doktor schreibt Rezepte aus, dann stirbt die ganze Festung aus.
































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Andreas (Montag, 11 Oktober 2021 08:59)
Interessantes zur Festung� Wir wandern � auf jeden Fall dort hin�