· 

Auf zu neuen Ufern

Ganz aufgeregt bin ich heute früh. Ein bisschen zu  nervös sogar, um Appetit auf ein reichliches Frühstück zu haben. Das Büffet ist reich gedeckt; wenigstens lässt sich der Rest der Familie die Pancakes schmecken. 

Was mich so angespannt sein lässt? Die Aussicht auf eine Fährüberfahrt und den Linksverkehr. Ja, vor allem der Linksverkehr!
Aber es ist wie immer: Wenn‘s dann mal endlich losgeht, freue ich mich sogar ein bisschen. Hätte ich doch mal mehr gegessen!

Der Hafen von Calais ist groß, sehr groß. Und er ist vorbildlich organisiert; richtig deutsch, um mal ein Klischee zu bedienen. Aber wir sind doch gar nicht in Deutschland?
Ja, wir haben nicht erst seit heute den Eindruck, dass die Franzosen hier Sauberkeit und Ordnung besser können als bei uns zu Hause. In Dünkirchen und Calais hält sogar ein TGV und der ist bestimmt pünktlich!

Die Fähre ist nicht so groß wie jene, die zwischen Italien und Korsika kreuzen, aber sie befördert mindestens doppelt so viele LKW. Die Insel will schließlich versorgt werden. 
An Deck zieht es heftig und es ist kühl, und dennoch bleiben wir eine Weile draußen im Wind, während Calais und Frankreichs Nordküste immer kleiner werden. 
Bald schon, wir sitzen mittlerweile drinnen in bequemen Liegesitzen, taucht am Horizont die weiße Silhouette der englischen Steilküste auf. Dover ist nur noch rund 40 Minuten entfernt. 

Meine Nervosität steigt wieder: Klar, der Linksverkehr. 
Ist das Abblendlicht umgestellt? Check. 
Sind die Außenspiegel justiert? Check. 
Zeigt der Tacho jetzt auch Meilen pro Stunde? Check. 
Ist die Familie instruiert, dass sich Fahrer und Beifahrer konzentrieren müssen? Check. 
Na, dann kann’s ja jetzt wirklich losgehen! Im Zweifel fährst du halt einfach dem Vordermann hinterher. 

Und ruckzuck sind wir auch draußen und fahren. Im Hafen gibt’s einen kleinen Stau, weil eine andere Fähre unzählige weitere LKW ausspuckt. Irgendwo finden wir eine Lücke hindurch, und sind plötzlich das einzige Auto auf der Straße nach draußen. Wo ist ein Vordermann, wenn man ihn braucht? 

Also immer schön links fahren! Kriegen wir hin. Da, ein Kreisverkehr! Achtung! Hier geht‘s andersherum als zu Hause. Passt auch. Alle sind aufgedreht und plappern durcheinander. Kurze Zeit später sind wir auf der Autobahn. Durchatmen! Hier kann man nicht mehr viel falsch machen. 

Am Nachmittag erwartet uns unser Domizil für die nächsten vier Nächte in Watford bei London. Es ist sehr hübsch eingerichtet mit vielen Accessoires aus Harry Potter. Matteo und Madita haben sich so darauf gefreut; gleich nach der Ankunft sind sie in den Tiefen des schmalen englischen Vorstadtreihenhäuschens verschwunden. Man hört es nur: „Guckt mal hier!“ und „Habt ihr das schon gesehen?“
Ein schöner Vorgeschmack auf den Besuch der Warner Bros. Filmstudios hier im Ort am Montag. Vorher warten drei Tage London auf uns. 

Wir freuen uns erstmal auf einen Kaffee. Die strapazierten Nerven wollen schließlich entspannt werden. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0